Pech, Kapern, Karoben und Urlauber – Peguera

Im Süden der comarca (Landschaftszone) Serra de Tramuntana liegt Peguera (39.540090, 2.451643).

Bis ins 8. Jahrhundert hatten die Araber ein südlich des Mittelmeers vom heutigen Spanien bis zum heutigen Iran reichendes Imperium errichtet. Nachdem sie sich 707 erstmals gegen Mallorca gewandt hatten, gelang den Arabern letztendlich 902 die Eroberung der Insel, die sie als Teil der „Östlichen Inseln von al-Andalus“ ins Osmanische Reich eingliederten. Während der Reconquista (722 bis 1492) fielen die nordspanischen Herrscher in die von den Arabern besetzten Gebiete der Iberischen Halbinsel ein, um die arabischen Besatzer zurückzudrängen. Eine vom aragonesischen König Chaime I dem Eroberer (1213 bis 1276), dem späteren mallorquinischen König Jaume I dem Eroberer (1230 bis 1276), geführte Flotte landete 1229 auf Mallorca und befreite die Insel bis 1232 vollständig vom arabischen Widerstand.

Nach dem Sieg über die Araber übertrug Jaume I auch das Gebiet um das heutige Calvià auf Berenguer de Palou II, den Bischof von Barcelona (1212 bis 1241), dem damit auch ein arabisches Bauernhaus in der Nähe des heutigen Peguera zufiel. Unter der neuen Herrschaft wurde das Gehöft erheblich erweitert und zum possessió (Besitztum) de sa Torrada ausgebaut, das sich zum landwirtschaftlichen Zentrum der Gegend entwickelte.

Der Küstenstreifen, der vom heutigen es Camp de Mar im Westen bis zum heutigen Santa Ponça im Osten verläuft, war bis ins 19. Jahrhundert nur dünn besiedelt. Seine brackigen Flächen galten als Infektionsquellen für zahlreiche Krankheiten, insbesondere für die Malaria. Seine von Sandstränden gesäumte Küste begründete die Gefahr von Piratenüberfällen. Der Küstenstreifen, an dem sich allein die possessions de sa Torrada, de Santa Ponça, de sa Porrassa und de Bendinat gegründet hatten, diente hauptsächlich als Verbindungsweg zwischen dem westlich gelegenen Andratx und dem östlich gelegenen Palma.

Nachdem Jaume I am 27. Juli 1276 verstorben war, hinterließ er ein Testament, mit dem er die Herrschaftsgebiete der Krone von Aragonien unter seinen Söhnen aufteilte. Der aragonesische König Pero III der Große (1276 bis 1285) erbte die spanischen Besitzungen, während dem mallorquinischen König Jaume II dem Guten König (1276 bis 1311) die französischen und die balearischen Gebiete zugewandt wurden. Über die Aufteilung der Herrschaftsgebiete der Krone von Aragonien, die Pero III nicht anzuerkennen bereit war, gerieten die Brüder miteinander in Streit. Bereits am 20. Januar 1279 musste Jaume II im Vertrag von Perpignan anerkennen, als vassall (Vasall) der Krone von Aragonien an den Corts General (Allgemeinen Höfen) de Catalunya teilzunehmen. Unter Jaume II sowie den mallorquinischen Königen Sanç dem Friedlichen (1311 bis 1324) und Jaume III dem Kühnen (1324 bis 1344/49), deren Regierung nur von 1285 bis 1291 durch die Herrschaft der aragonesischen Könige Alifonso III dem Prächtigen (1285 bis 1291) und Chaime II dem Gerechten (1291 bis 1327) unterbrochen worden war, erlebte Mallorca eine Zeit der relativen Unabhängigkeit, die sich über etwa siebzig Jahre erstreckte. Um das Königreich Mallorca vollständig in die Krone von Aragonien einzugliedern, führte der aragonesische König Pero IV der Zeremonielle (1336 bis 1387) eine Flotte gegen die Insel, die im heutigen Peguera, nämlich am heutigen platja (Strand) de Palmira, an Land ging. Nachdem die mallorquinischen Truppen am 25. Mai 1343 in der desembarcament (Schlacht) de Peguera besiegt worden waren, floh Jaume III in das französische Roussillon, sodass das Königreich Mallorca fortan ein selbstständiger Teil der Krone von Aragonien war.

Ab dem 14. Jahrhundert soll im heutigen Peguera eine Harzsiederei betrieben worden sein, in der das Harz der zahlreichen Schwarzkiefern der Region zu pega negra (Schwarzem Pech) verarbeitet worden sein soll, das von Palma ins gesamte Mittelmeer verschifft worden sein soll. Erst nachdem der Ingenieur Henry Robert Waring (bis 1914), der an der teilweisen Trockenlegung des heutigen Parc Natural (Naturparks) de s’Albufera de Mallorca beteiligt gewesen war, um 1886 die Bewirtschaftung der nördlich des heutigen Peguera gelegenen possessió de Peguera übernommen hatte, dessen Gebäude bei Kilometer 23 etwa 170 Meter nordöstlich der Landstraße MA-1 gelegen sind, entwickelte sich die Gegend zu einem Anbaugebiet von Kapern und Karoben; zugleich soll die Herstellung von pega negra eingestellt worden sein. Als casa (Haus) de Palmira errichtete Waring in der Nähe des heutigen platja de Palmira ein Sommerhaus, das später von Francisca Roca i Waring, seiner Enkelin, bewohnt wurde; die Benennung des Sommerhauses gab auch dem Strand seinen Namen. Zum Beginn des 20. Jahrhunderts setzte nicht nur die städtische Entwicklung des heutigen Peguera ein, vielmehr wurden 1928 mit dem Hotel Platges de Peguera und 1930 mit dem Hotel Malgrat auch die ersten Hotels errichtet. Als „Senyora de Peguera (Frau von Peguera)“ stieß Roca ab 1958 die touristische Erweiterung endgültig an, sodass es zu dem heutigen Fremdenverkehrszentrum wurde, das durch Hotels, Appartementhäuser, Restaurants und Gaststätten geprägt ist. Unterstützt wurde die Umgestaltung durch zahlreiche Zugezogene aus Jaén und Murcia, die zunächst in der Bauwirtschaft und sodann im Tourismus arbeiteten.

Bereits 1969 gründete sich der Club Artistic i Esportiu (Kunst- und Sportclub) de Peguera, der sich ab 1980 nur noch dem Fußball widmete und mit seiner Herrenmannschaft bis in die Tercera División (Dritte Liga) de España aufstieg. Seit 1990 der Zusammenschluss des Club Artistic i Esportiu de Peguera mit dem Club Esportiu de Santa Ponça und dem Club Esportiu de Maganova vollzogen wurde, lebt der Kunst- und Sportclub im Club de Futbol (Fußballclub) des Platges de Calvià fort, der nach einem erfolglosen Jahrzehnt in die Primera Categoría Regional Preferente (Erste bevorzugte Regionalkategorie) de Mallorca abstieg. Bereits in den 1970er Jahren fand sich zudem der Club Esportiu (Sportclub) de Peguera zusammen, der mit seiner Herrenmannschaft zwar ebenfalls bis in die Tercera División de España aufstieg, aber 2005 mit dem Club Esportiu Soledat de Palma verschmolz.

Heute existiert in Peguera noch der Club Atlètic (Athletikclub) de Peguera.

Der Ort, in dem am 1. Januar 2025 etwa 4.100 Menschen lebten, erstreckt sich mit einer Küstenlinie von etwa 4 Kilometer entlang des ensenada (Meeresarms) de Santa Ponça. Er reicht auf einer Breite von bis zu etwa 1 Kilometer ins Landesinnere.

Die Ortschaft verfügt über drei Sandstrände: Der westliche platja de Palmira erreicht eine Länge von etwa 510 Meter. Der mittlere platja Gran de Torà hat eine Länge von etwa 250 Meter. Der östliche platja de sa Romana verläuft über eine Länge von etwa 100 Meter. Der Ort wird im Norden vom puig (Gipfel) de na Bruta überthront, der sich in einer Entfernung von etwa 1,7 Kilometer von der Küste auf eine Höhe von etwa 291 Meter erhebt.

Der im Westen gelegene Ortsteil Cala Fornells beherbergt die Ferienanlage Aldea Cala Fornells, die durch ihre abwechslungsreiche Architektur besticht. Sie wurde von 1973 bis 1976 von dem Architekten Pedro Otzoup (*1917 bis 2000) errichtet, der sie im Stil eines mexikanischen Dorfes gestaltete.

Das Gebiet um das heutige Peguera wurde bis ins 18. Jahrhundert von der municipi (Gemeinde) Andratx verwaltet. Heute gehört die Landstadt zur municipi Calvià.

Der Sprachwissenschaftler Josep Noguerol i Mulet (*1957) erwähnt in seiner Abhandlung „Alguns topònims històrics de la costa Calvianera (Einige historische Toponyme der calvianischen Küste)“, die 1999 im Bolletí de la Societat Arqueològica Lul·liana erschien, dass die Ansiedlung noch im 18. Jahrhundert als sa Torrada bezeichnet wurde. Erst mit dem 19. Jahrhundert wurde der Name „Peguera“ oder „Paguera“ für die wachsende Ansiedlung geläufig, wobei gerade die Verwendung des „e“ oder des „a“, die lange Zeit friedlich nebeneinander existierte, seit den 1970er Jahren immer wieder zu heftigen Streitigkeiten führt.

Die von dem Philologen Miquel Dolç i Dolç (*1912 bis 1994) herausgegebene Gran Enciclopèdia (Große Enzyklopädie) de Mallorca bringt den Ortsnamen mit der Annahme der Herstellung und des Vertriebs des pega negra in Verbindung. Die e-Fraktion stützt sich insbesondere auf einen in Peguera betriebenen Ofen zur Gewinnung von pega negra sowie ein 1337 erstelltes Dokument über die Verschiffung von pega über einen in Peguera liegenden Hafen. Der Sprachwissenschaftler Innassi Martí und der Historiker Jacinto Cortés verweisen auf die vorrömische Zeit, in der der Ausdruck „paga“ auf die damals vorhandenen Buchen- und Eichenwälder hingewiesen und der Begriff „era“ die Bedeutung von „Gegend“ gehabt habe. Sie führen zudem aus, dass die pagans (Heiden) bzw. die paganos (Heiden) gerade diese Buchen- und Eichenwälder in der vorchristlichen Zeit als heilige Stätten verehrt hätten. Andere Philologen bringen den Ortsnamen in Verbindung mit den Roten Schnappern, einer im Katalanischen als pargo roig bezeichneten Fischart. Die a-Gruppe verweist darauf, dass ein Ofen und ein Hafen in Peguera nicht dokumentiert sowie dass alle Handelswaren ausschließlich über den Hafen von Palma verschifft worden seien. Sie bezieht sich insbesondere auf eine 1180 errichtete Urkunde, in der eine Landübertragung vorgenommen und in der in Lateinisch, und gerade nicht in Kastilisch, das „a“ verwendet wird.

Mit dem Decret (Dekret) 36/1988 ordnete der Consell de Govern (Regierungsrat) de les Illes Balears am 14. April 1988 für die Verwendung im Butlletí Oficial (Offiziellen Bulletin) de la Comunitat Autònoma de les Illes Balears die Schreibart „Peguera“ an.