Die Unvollendete: Església Nova de Son Servera

Die església Nova de Son Servera (Neue Kirche zu Son Servera) (39.621166, 3.359261) liegt in Son Servera an der carrer de les Creus.

Església Nova de Son Servera – Südöstliche Ansicht – 2025

Obwohl Son Servera mit der església parroquial (Pfarrkirche) de Sant Joan Baptista de Son Servera bereits über ein Gotteshaus verfügte, kam um 1900 die Überlegung auf, in dem Ort eine weitere Kirche zu errichten. Nachdem der Gedanke im Bistum Mallorca bekannt geworden war, wurde er von Pere Joan Campins i Barceló, dem Bischof von Mallorca (1898 bis 1915), und Antoni Maria Alcover i Sureda, dem Generalvikar von Mallorca (1898 bis 1916), nachdrücklich unterstützt.

Das Grundstück, auf dem das Projekt verwirklicht werden sollte, konnte 1902 nicht erworben werden. Erst nachdem sich Campins und Alcover eingeschaltet hatten, konnte 1905 von Rafael Llédo die Fläche, auf der das Bauwerk errichtet wurde, zu einem Preis von 4.750 pesetas gekauft werden. Das Grundstück wurde am 27. August 1905 von Campins nicht nur gesegnet, vielmehr legte er auch den Grundstein.

Església Nova de Son Servera – Nordwestliche Ansicht – 2025

Das im neugotischen Baustil (1830 bis 1900) errichtete Bauwerk geht auf die Entwürfe des Architekten Joan Rubió i Bellver (*1870 bis 1952) zurück, der zu den Schülern des Architekten Antoni Gaudí i Cornet (*1852 bis 1926) gehörte. Nachdem Rubió und Alcover die Baupläne am 26. August 1905 nach Son Servera gebracht hatten, wurden die Bauarbeiten am 1. März 1906 aufgenommen. Mangels einer ausreichenden Finanzierung wurden 1929 zunächst eine vorläufige Bauunterbrechung und 1931 eine endgültige Baueinstellung beschlossen, sodass das Bauwerk bis heute wie eine Ruine wirkt.

Der Baukörper erreicht Länge von etwa 61 Meter. Er hat eine Breite von etwa 24 Meter.

Die nordwestlichen, südwestlichen und nordöstlichen Außenmauern sind nahezu fertiggestellt. Sie zeigen bereits die Vertiefungen für die Kapellen, die Nischen für die Fenster und die Durchbrüche für die Rosetten. Die südöstliche Außenmauer ist dagegen überhaupt nicht vorhanden. Der hinter der nach Nordwesten ausgerichteten Apsis gelegene Bauteil ist bereits überdacht. Das nach Südosten verlaufende „Kirchenschiff“ verfügt hingegen über kein Dach, sodass es unter dem freien Himmel liegt.

Església Nova de Son Servera – Apsis – 2025
Església Nova de Son Servera – Apsis – 2025
Església Nova de Son Servera – Fensternische – 2025

Der von den Wänden gebildete Patio ist von einer Rasenfläche bedeckt, die an ihren Seiten von Büschen und Bäumen begleitet wird. Die rechtwinklig gestalteten Steinwege, die die Rasenfläche in zwölf Quadrate aufteilen, sind einem mit Bänken ausgestatteten Kirchenraum nachempfunden.

Die Apsis wird von einem Podest dominiert, das sich mit fünf Stufen in die Höhe erhebt. Obwohl das Podium, mit Ausnahme des an seiner nordöstlichen Ecke stehenden Baumes, über keine Ausstattung verfügt, vermittelt es den Eindruck eines Altarbereichs.

Església Nova de Son Servera – Podest – 2025

Nach mehreren Jahrzehnten der Vernachlässigung gelangte das Bauwerk erst in den 1960er Jahren wieder in das Bewusstsein der serverins und serverines, die allmählich ein Konzept für seine praktische Verwendbarkeit entwickelten. Die Agrupació Folklòrica sa Revetla (Folkloregruppe sa Revetla), die am 18. Juli 1964 von dem Priester Joan Font i Lliteras (*um 1928), dem Komponisten und Gitarristen Bartolomé Calatayud (*1882 bis 1973) sowie der Tänzerin Margarita Nebot i Vives (*1928) gegründet worden war, nutzte die romantische Kulisse des Bauwerks erstmals für ihre Aufführungen. Heute wird das Bauwerk nicht nur für religiöse Zwecke, wie Taufen, Kommunionen und Hochzeiten, sondern auch für kulturelle Veranstaltungen, wie Musikdarbietungen, Tanzaufführungen und Theaterinszenierungen, genutzt.

Der Architekt José Manuel Dapena führte 1994/95 einige Restaurierungsarbeiten aus, die sich hauptsächlich auf die 1908/09 gebaute capella (Kapelle) Fonda konzentrierten. Nach Rubiós ursprünglichen Bauplänen wurden 2007/08 einige ergänzende Arbeiten ausgeführt, so auch die Bodengestaltung des Innenhofes.