An der Weststraat in Ouddorp erhebt sich die dorpskerk (Dorfkirche) Sint-Maarten te Ouddorp (51.809217, 3.935721).
Das Gotteshaus ist dem Heiligen Martin de Tours, dem Bischof von Tours (371 bis 397), geweiht. Bereits der Chronist Sulpice Sévère (*361/63 bis 410/29), der mit Martin gut bekannt war, schilderte in seinem Buch „Vita sancti Martini (Leben des Heiligen Martin)“ die Geschehnisse um der Mantelteilung: Martin sei als römischer Legionär in Amiens stationiert gewesen. Am Stadttor sei er einem notdürftig bekleideten Armen begegnet. Während alle anderen achtlos an dem Armen vorbeigegangen seien, habe Martin sein Schwert gezogen, seinen Soldatenmantel geteilt und dem Armen eine Hälfte überlassen. In der Nacht habe Martin eine Erscheinung des Gottessohnes Jesus Christus gehabt, der mit dem abgeteilten Stück des Soldatenmantels bekleidet gewesen sei. Umgeben von einer Engelsschar habe Jesus Christus verkündet, dass Martin ihn mit diesem Mantel bekleidet habe; mit dieser Aussage habe Jesus Christus auf die Bibel nach Matthäus 25, 40 EÜ 2016 angespielt: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“.
Die ältesten Fundamente der Kirche sind um 900 eingebracht worden.
Das heutige Kirchengebäude geht auf 1348 zurück.
Der an drei Seiten geschlossene Chor ist der älteste Teil der Kirche. Er ist in Tuffstein ausgeführt.
Das Langhaus hatte ursprünglich drei Schiffe. Es ist aber während des Haken- und Kabeljaukriegs (1350 bis 1490), bei dem einerseits um den Titel des Grafen von Holland und andererseits um die Freiheit des Bürgertums gestritten wurde, erheblich beschädigt worden. Das Bauwerk ist 1418 unter Herzog Jan IV van Brabant (1415 bis 1427) geplündert sowie 1490 unter Frans van Brederode (*1465 bis 1490) und Jan van Naaldwijk (*um 1444 bis 1520) gebrandschatzt worden. Das Langhaus wurde sodann nur noch vereinfacht aufgebaut und 1734 nicht nur umgebaut, sondern auch verkleinert.
Der an der Westseite des Langhauses aufragende Turm wurde 1508 im Baustil der Spätgotik (1350 bis 1525) mit einer 8-eckigen Grundfläche vollständig erneuert; sein Baujahr ist an der Turmspitze festgehalten! Der Turm war mit einer roten Spitze versehen, die der Schifffahrt rund um Goeree-Overflakkee als Orientierungspunkt diente, in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf Grund ihres Verfalls jedoch entfernt worden war. Erst 1983 wurde die rote Spitze wieder auf dem Turm aufgebaut, sodass heute wieder die vom 16. bis zum 19. Jahrhundert vorhandene Ansicht des Turms gegeben ist. Die Erneuerung der Spitze orientierte sich an einer Turmzeichnung, die sich auf einer 1657 gestalteten Sakramentsschale befindet.
Der Turm wurde 1641 mit einer großen Uhr ausgestattet, die mit einer in Lateinisch und Niederländisch verfassten Inschrift versehen ist:
SOLI DEO GLORIA / JOHANNES BURGERHUIS ME FECIT / ANNE DOMINI 1641 / DOOR KOUD EN BREUK ONNUT GEMAECKT / DOOR T VIER EN LIEFD AAN STEM GERAECKT / T OUDDORP IN WESTVOORN
Gott allein sei die Ehre / Johannes Burgerhuis erbaute mich / Im Jahr des Herrn 1641 / Durch Kälte und Bruch unbrauchbar gemacht / Durch die Feiern und die Liebe zur Stimme zerbrochen / Ouddorp in Westvoorne
Der Turm ist seit 1734, nämlich seit der Verkleinerung des Langhauses, vom Langhaus getrennt.
Der Turm wurde zeitweilig als Gefängnis genutzt. Wegen des Verdachts, das gestrandete Fracht- und Passagierschiff CIRONDE geplündert zu haben, war 1903 der Kapitän Theodorus Grinwis der letzte Gefangene. Der Turm diente zeitweise der Feuerwehr, die ihn von 1948 bis 1982 nutzte.
Der Turm erreicht eine Höhe von etwa 32 Meter.
Das Kirchengebäude wurde 1604 unter Admiral Jacob Janszoon Boey geplündert.
Das Querhaus wurde 1903 errichtet. Es wurde 1924 vergrößert.
Die dorpskerk Sint-Maarten te Ouddorp ist seit dem 30. November 1971 als Reichsdenkmal unter der Nummer 16267 im rijksmonumentenregister (Reichsdenkmalregister) verzeichnet.