Auf dem Plateau des puig (Gipfels) de Randa liegt das santuari de nostra Senyora de Cura (Heiligtum unserer Frau der Pflege) (39.527557, 2.925942). Am nordwestlichen Rand des Tafelbergs, der eine Höhe von etwa 542 Meter erreicht, thront die Verehrungsstätte über der pla (Ebene) de Mallorca.
Der Ursprung des Heiligtums ist bislang nicht vollständig geklärt.
In der Arabischen Zeit (902 bis 1229) war Mallorca in ajzā (Bezirke) gegliedert, denen die Verwaltung übertragen war. Das um 1232 erstellte Llibre del Repartiment de Mallorca (Buch der Aufteilung Mallorcas) erwähnt insgesamt zwölf ajzā. Das vor dem 27. Juli 1276 fertiggestellte Llibre dels Fets (Buch der Tatsachen), das Leben und Taten des aragonesischen Königs Chaime I des Eroberers (1213 bis 1276), des späteren mallorquinischen Königs Jaume I des Eroberers (1230 bis 1276), schildert, benennt demgegenüber insgesamt fünfzehn ajzā. Innerhalb eines jeden juz (Bezirks) war eine ḥiṣn (Burg) vorhanden, von der die Verwaltung geführt wurde, wobei es sich bei der ḥiṣn häufig auch nur um die Hofstelle eines Grundholds handelte.
Vor diesem Hintergrund veröffentlichten der Historiker Miquel Barceló i Perelló (*1939 bis 2013) und die Archäologin Ghislaine Noyé Bougard in dem 1988 in Französisch erschienenen Buch „Structures de l’habitat et occupation du sol dans les pays méditerranées (Strukturen des Wohnens und der Landnutzung in den Mittelmeerländern)“ mit dem Beitrag „Les qanat(s) au pied de Qastil al-Uyun (Die Kanat(e) am Fuße des Kastells der Quellen)“ die Hypothese, dass an dem Ort, an dem sich heute das Heiligtum erhebt, bereits während der Arabischen Zeit eine ḥiṣn lag. Die Reste des qastil al-Uyūn, das dem juz von Muntuny vorgestanden haben soll, vermuteten Barceló und Noyé unter den Gebäuden des Heiligtums, allerdings ohne dazu wissenschaftliche Beweise vorzulegen.
Nachdem Chaime I die Insel von den Arabern befreit hatte, nahm auch der christliche Glaube, der während der Arabischen Zeit toleriert worden war, wieder einen größeren Raum auf Mallorca ein. An vielen Orten wurden nicht nur Einsiedeleien eingerichtet, sondern auch Klöster gegründet.
Unter diesem Aspekt berichtet die Überlieferung, dass sich der Philosoph und Theologe Ramon Llull (*um 1232 bis 1316), der 1267 von Visionen des gekreuzigten Gottessohnes Jesus Christus berichtet hatte, ab 1263 oder 1275 in eine Höhle auf den puig de Randa zurückgezogen und 1275 an dem Ort, an dem sich heute das Heiligtum befindet, einen der Heiligen Muttergottes Maria gewidmeten Altar errichtet habe. Tatsächlich liegt etwa 240 Meter südwestlich des Heiligtums die cova (Höhle) des Beat Ramon Llull, vor der nicht nur eine Statue des Llull aufgestellt ist, sondern an der auch eine Gedenktafel an Llull erinnert.
Der Ort, an dem sich heute das Heiligtum befindet, soll erstmals 1311 in einer Autobiografie des Llull erwähnt worden sein. Erstmals gesichert erwähnt ist der Ort aber erst in einem aus 1394 stammenden Dokument, das Lluís de Prades i d’Arenós, der Bischof von Mallorca (1390 bis 1403 und 1407 bis 1429) verfasste. Er berichtet in dem Schriftstück über Männer, die sich seit mehreren Jahrzehnten auf den puig de Randa zurückgezogen hatten; tatsächlich sind heute mehr als zwanzig Wohnhöhlen aus dem 14. Jahrhundert datiert!
Ab dem 15. Jahrhundert wurde die ursprüngliche Einsiedelei nicht nur zu einem Kloster erweitert. Vielmehr wurde sie auch zum Sitz der von Llull gegründeten escola de Gramàtica (Grammatikschule), die sich zu einer der wichtigsten Ausbildungsstätten für Missionare auf Mallorca entwickelte. Die Schule, deren Aufbau maßgeblich von dem Theologen Pere Joan Llobet (bis 1460) unterstützt wurde, bildete zeitweilig etwa 100 Schüler pro Jahr aus, bevor sie um 1830 geschlossen wurde.
Nachdem die Gebäude des Heiligtums ab der Mitte des 19. Jahrhunderts immer weiter verfielen, wurden sie im August 1913 von Pere Joan Campins i Barceló, dem Bischof von Mallorca (1898 bis 1915), an den Tertius Ordo Regularis Sancti Francisci (Regulierten Dritten Orden des Heiligen Franziskus) gegeben. Unter den Franziskanern wurden die Gebäude ab 1947 nicht nur umfangreich renoviert und erweitert, sondern auch zu einem modernen Tourismusangebot entwickelt. Die ehemaligen Klosterzellen sind zu einer Pension mit dreiunddreißig Zimmern geworden, die von einem Restaurant und einem Veranstaltungssaal begleitet werden.
Das portal (Tor) de Santuari eröffnet den östlichen Zugang zum Heiligtum.
Die Ostseite des rechteckigen Tors wird von zwei Pilastern gesäumt, über denen ein Fries angedeutet ist, der einem Architrav nachgebildet ist. Über dem Portal ist ein Giebel errichtet, auf dem sich ein lateinisches Kreuz erhebt. Die Westseite des Tors verfügt über glatte Wände.

Der Fries trägt in Katalanisch eine Aufschrift, die dem 1283 von Llull verfassten Roman „Llibre d’Evast e d’Aloma e de Blaquerna son fill (Buch von Evast und von Aloma und von Blaquerna seinem Sohn)“ entnommen ist:
„AMABLE FILL SALUDA NOSTRA DONA QUI ES SALUT E BENEDICCO NOSTRA / BLANQU CAP 61 PA 7“
„Freundlicher Sohn grüße unsere Frau die ist Gesundheit und Segen unser / Blanquerna Kapitel 61 Teil 7“
Der Giebel der östlichen Seite wird von dem Relief eines Wappens dominiert, das an seinen Seiten von Rankenreliefs begleitet wird. Das Erkennungszeichen verweist auf den Tertius Ordo Regularis Sancti Francisci.
Das Wappenschild, auf das eine Herzogskrone aufgesetzt und das von zwei Lorbeerzweigen umfasst ist, zeigt eine horizontale Aufteilung. Der mit einer Kutte bekleidete Arm eines Mönchs und der unbekleidete Arm eines Bauern, deren Hände mit Stigmata versehen sind, überkreuzen sich im oberen Feld vor einem lateinischen Kreuz. Im mittleren Feld ist die Dornenkrone des Gottessohnes Jesus Christus dargestellt. Die Abkürzung „O. P. C.“ im unteren Feld deutet auf den Tertius Ordo Regularis Sancti Francisci.

Der Giebel der Westseite wird ebenfalls von einem Relief geschmückt, das von einer Aufschrift in Lateinisch eingefasst ist:
„OMNIA / IN NOMINE DÑI – Wappen – IESU CHRISTI / FACITE“
„Alles / im Namen des Herrn – Wappen – Jesus Christus / gemacht“

Der plaça (Platz) de Santuari, der sich von Westen nach Osten über etwa 37 Meter und von Norden nach Süden über etwa 27 Meter erstreckt, eröffnet sich nach dem portal de Santuari. Die nördliche Platzseite grenzt an zwei Grünflächen, zwischen denen die Zuwegung zum convent (Konvent) de nostra Senyora de Cura, zum museu (Museum) d’Escola de Gramàtica und zur capella (Kapelle) de nostra Senyora de Cura verläuft. Während die östliche Parkanlage mit einer Länge von etwa 20 Meter entlang des Platzes läuft und sich über eine Länge von etwa 28 Meter nach Norden ausdehnt, liegt der westliche Garten mit einer Länge von etwa 11 Meter an dem Platz und reicht etwa 11 Meter nach Norden. Im Osten und Süden wird der Platz von einer eingeschossigen und geschlossenen Gebäudefront eingefasst. Die westliche Platzseite wird durch ein zweigeschossiges Bauwerk begrenzt, das lückenlos an die südliche Gebäudefront stößt und an dessen Nordseite die Zuwegung zur Pension, zum Restaurant und zum Veranstaltungssaal entlangführt. Die 1564 unter der Fläche angelegten Zisternen, die das Regenwasser zur Versorgung des Heiligtums speicherten, werden heute zwar nicht mehr genutzt. Doch erinnert der auf dem Platz stehende font (Brunnen) de sa Plaça de Santuari bis heute an die ursprüngliche Funktion des Platzes.

In der östlichen Parkanlage erhebt sich die estàtua (Statue) des Beat Ramon Llull. Das lebensgroße Standbild aus Stein steht auf einem nahezu unbehauenen Natursteinquader. Llull ist mit einer bis zum Boden reichenden Kutte bekleidet, über der er einen ärmellosen und bis zur Wade reichenden Mantel trägt. Seinen rechten Arm hat Llull im rechten Winkel eingeknickt, sodass er den sich in seiner rechten Hand befindlichen Federkiel leicht nach vorne hält. Seinen linken Arm lässt Llull am Körper herunterhängen, auch die von ihm gehaltene Schriftrolle hängt von seiner linken Hand herab. Umrahmt von einem weit auf die Brust reichende Bart und bis zu den Schultern reichenden Haaren schaut Llull mit festem Blick in die Ferne. Während Llull seinen Kopf mit einer topfförmigen Kappe bedeckt hat, trägt er offene Sandalen an seinen Füßen.
Zu ihrer rechten Seite wird die estàtua des Beat Ramon Llull von einem Gedicht des Priesters und Dichters Miquel Costa i Llobera (*1854 bis 1922) begleitet, das in Katalanisch auf einer aus Azulejos erstellten Tafel wiedergegeben wird:

„CANTIC DELS PELEGRINS DE RANDA“
„Lied der Pilger von Randa“
„Pugem a Cura, l’alt santuari / d’on la velada prengué Ramon. / És el paratge a on solitari, / fent penitència, fugi del món. / Facem reviure pel centenari / Santes memòries que encara hi son.“
„Wir gehen hinauf nach Cura, dem hochgelegenen Heiligtum / von wo den Abend verbrachte Ramon. / Es ist der Ort an dem der Einsame, / tut Buße, entflohen der Welt. / Lasst uns wiederbeleben zum Hundertjährigen / heilige Erinnerungen die noch hier sind.“
„A Cura en vida contemplativa / Llull se va veure transfigurat, / rebé les armes i força activa / per les grans lluites d’apostolat / i sense estudis, a la llum viva / quedà fet savi l‘il·luminat.“
„In Cura im kontemplativen Leben / Llull sich sah verwandelt, / empfing die Waffen und die wirksame Kraft / für die großen Kämpfe des Apostolats / und ohne Studien, im lebendigen Licht, / er gemacht wurde zum weisen Erleuchteten.“
„Oh puig de Randa, solar de Cura, / d’on sant i savi Ramon sortí, / noble peanya de tal figura, / que te veneri tot mallorquí, / i arreu escampi l’edat futura / la llum excelsa brollada aquí!“
„Oh Gipfel von Randa, Sonne von Cura, / von wo der heilige und weise Ramon hinausging, / edler Fels von solch einer Figur, / dass dich verehre ganz Mallorca, / und überall verbreite im zukünftigen Alter / das erhabene Licht gesprudelt von hier!“

Der westliche Garten wird durch den font de Sant Francesc geprägt, der im Zentrum eines griechischen Kreuzes steht, das auf dem Boden durch die Wege gebildet wird. Das Rundbecken, aus dem sich ein tiegelförmiges Gefäß aus Stein erhebt, ist in den Boden eingelassen. In der Mitte des Tiegels strebt eine runde Steinsäule in die Höhe, auf der eine steinerne Figur des Heiligen Francesco d‘ Assisi (*1181/82 bis 1226) steht. Bekleidet mit einer bis zum Boden reichenden Kutte breitet Francesco seine Arme in Schulterhöhe weit aus, um seine Betrachter mit nach oben geöffneten Handflächen zu segnen; die Körperhaltung bildet die Silhouette eines lateinischen Kreuzes nach!
Das portal des Convent de nostra Senyora de Cura, das zu den privaten Wohnräumen der im Heiligtum lebenden Franziskaner führt, stammt aus der Mitte des 20. Jahrhundert. Das Tor, dem eine fünfstufige Treppenanlage vorgelagert ist, wird an ihren Seiten von Pilastern und über ihrem Kopf von einem Fries umrahmt, der einem Architrav nachempfunden ist. Oberhalb des Eingangs befindet sich ein Relief, das das Wappen des Tertius Ordo Regularis Sancti Francisci zeigt. Oberhalb des Wappens wiederum ist eine Nische ausgebildet, deren Deckenwölbung einer Muschel nachgebildet und in der eine steinerne Statuette des Llull aufgestellt ist. Bekleidet mit einer Kutte und einer Haube legt der bärtige Llull, dessen Blick leicht in die Höhe gerichtet ist, seine rechte Hand auf sein Herz, während er in seiner linken Hand, die am Körper herabhängt, ein Buch trägt.
Das museu d’Escola de Gramàtica hat Informationen über Llull und den Tertius Ordo Regularis Sancti Francisci zusammengetragen.

Die capella de nostra Senyora de Cura beherbergt die Statuette der Mare de Déu de Cura (Muttergottes der Pflege) de Randa. Sie wurde 1955 von Papst Pius XII (1939 bis 1958) gekrönt.

Westlich des plaça de Santuari eröffnet sich ein weiterer Platz, der sich von Westen nach Osten über eine Länge von etwa 47 Meter und von Norden nach Süden über eine Länge von etwa 23 Meter erstreckt. An die nördliche Seite des Platzes grenzt eine Grünfläche, die im Norden und Osten von der Außenterrasse des Restaurants umgeben wird. Zum Teil liegt die Terrasse unter einem Arkadengang, der sich entlang des gesamten Gebäudewinkels zieht. An die südliche Seite des Platzes schließt sich ebenfalls eine, allerdings nicht bewirtschaftete, Grünfläche an.