Das Schmuckstück, das dem Tod zweimal ins Auge blickte: Son Servera

Son Servera (39.620751, 3.360395) liegt am Fuß des puig (Gipfels) de sa Font, der sich südöstlich der Kleinstadt auf eine Höhe von etwa 273 Meter erhebt.

Die Gegend war bereits ab dem Vor-Talayotikum (2000 bis 1300 v. Chr.) von Menschen bewohnt.

Die cova (Höhle) des Rafal de Baix an der Südflanke des puig d’en Mir, die cova de sa Geneta am südwestlichen Hang des puig d’Arboçaret und die cova de Ca s’Hereu an der Ostflanke des puig de sa Font zeugen von der vor-talayotischen Besiedlung. Der talaiot (Talayot) de Pula davant ses Cases auf dem Gelände des Pula Golf, der talaiot de Ca s’Hereu an der Südflanke des puig de Son Corb und die jaciment (Fundstätte) de Mestre Ramon südlich der Landstraße MA-4032 gehen auf das Talayotikum (1300 bis 100 v. Chr.) zurück.

Die jaciment de sa Font des Molins de Son Sard, die westlich der Überführung der Landstraße PMV-4034 über den torrent (Sturzbach) de Xiclatí liegt, geht auf die Römische Zeit (123 v. Chr. bis 465) zurück; die Fundstelle wird auch als vil·la romana (Römisches Landhaus) de Banyeres bezeichnet.

Die Region war während der Arabischen Zeit (902 bis 1229) der Verwaltung in Yartân, dem heutigen Artà, unterstellt. Sie scheint der arabischen Familie banū Quinena anvertraut gewesen zu sein, die in Binicanella, dem heutigen Son Servera, mehrere Bauernhöfe bewirtschafte. Nordwestlich von Son Servera lag die Hofstelle Quinena Algarbia, die sich über die Gebiete im heutigen Fetget, Penya Roja, sa Canal und Son Comparet erstreckte. Das Gehöft Quinena Exarquia dehnte sich südöstlich von Son Servera über die Flächen im heutigen Son Corb, Ca s’Hereu und Son Floriana aus.

Nachdem die Flotte des aragonesischen Königs Chaime I des Eroberers (1213 bis 1276), des späteren mallorquinischen Königs Jaume I des Eroberers (1230 bis 1276), in der Nacht vom 9. auf den 10. September 1229 auf Mallorca gelandet war, um die Araber von der Insel zu vertreiben, leisteten insbesondere die in Yartân lebenden Araber einen erbitterten Widerstand. Während Madīnat Mayūrqa, das heutige Palma, bereits am 31. Dezember 1229 von den Truppen der christlichen Allianz erobert worden war, setzten sich die Araber im Nordosten der Insel weiterhin zur Wehr. Erst im Herbst 1230 konnten die letzten arabischen Kämpfer, die sich auch in den coves (Höhlen) d’Artá verschanzt hatten, von den christlichen Einheiten besiegt werden.

Auf die Eroberung der Insel ordnete Chaime I den Besitz an den mallorquinischen Ländereien, indem er die possessions (Besitztümer) auf seine Gefolgsleute übertrug.

Die Verwendung der Gebiete um Son Servera wird kontrovers diskutiert.

Nach einer ersten Auffassung sollen die Flächen um Artà und Son Servera an okzitanische Edelmänner und Ritter aus der Region um Marseille verteilt worden sein. Mit dem am 12. April 1229 geschlossenen Vertrag von Paris waren die okzitanischen Gebiete der Grafschaft Toulouse nicht nur an das (Erste) Königreich Frankreich gefallen, sondern auch viele chevaliers faydits (Verbannte Ritter) enteignet worden. Nach einer zweiten Meinung soll das Land um Son Servera an den katalanischen Ritter Jaume Cervera gegeben worden sein, dem ein Dorf in der Llevant zugewiesen worden sein soll, das mit Son Servera identisch gewesen sein könnte. Nach einer dritten Ansicht soll das Gebiet um Son Servera erst im 14. Jahrhundert von der in Porreres ansässigen Familie Cervera erworben worden sein, deren Vorfahren aus dem katalanischen Cervera auf die Insel gezogen sein sollen. Nach einer vierten Auffassung, soll das Umfeld von Son Servera im 14. Jahrhundert zunächst an die in Muro lebende Familie Ferri gefallen sein, in die sodann die aus Porreres stammende Familie Servera eingeheiratet haben soll.

Der Ort, der später zu Son Servera wurde, könnte erstmalig in den Ordinacions (Verordnungen) de Jaume II urkundlich erwähnt sein, die 1300 von dem mallorquinischen König Jaume II dem Umsichtigen (1276 bis 1311) zur Förderung der ländlichen Entwicklung erlassen worden waren. Unter Verweis auf die Gründungen von Artà und Campos ordnete Jaume II die Errichtung einer Ansiedlung in der Nähe des port (Hafens) de Banyeres, des heutigen Port Vell, an:

„E daquell semblant matex vol que sia la vila de Campos e les viles quis faran en Arta, so es assaber, la una deves la torra den Miguel Nunis e laltre deves lo port de Banyeres.“

„Und davon ähnlich wünscht er, entweder wie die Stadt Campos und die Städte um Artà, weißt du, die eine in Richtung des Turms von Miguel Nunis und die andere in Richtung des Hafens von Banyeres.“

Die Bezeichnung „Binicanella“ wurde erstmals 1354 urkundlich erwähnt.

Mit dem Tod des Salvador Servera i Valls fand 1475 die Teilung der Landflächen der Famile Servera statt. Während die westliche Hälfte im Laufe der Zeit als possessió de Son Fra Garí bezeichnet wurde, wurde die östliche Hälfte über die Zeit als possessió de Ca s’Hereu bekannt. Die Urkunde über die Teilung enthält bereits einen Hinweis auf den torre (Turm) dels Servera, den heutigen torre de sa Vicaria, der 1622 in die església parroquial (Pfarrkirche) de Sant Joan Baptista integriert wurde; der Turm wurde von beiden Familienzweigen zum Schutz vor Angriffen der Barbaresken unterhalten und genutzt. Mit dem Tod des Salvador Servera, der den Spitznamen „s’Hereu“ trug, erfolgte 1560 die Teilung des possessió de Ca s’Hereu, das den sechs Söhnen zugewandt wurde. Im Laufe der Zeit entwickelten sich aus der Teilung weitere Ortsnamen wie Son Corb und Son Floriana.

Der Name „Son Servera“ ist seit 1560 urkundlich belegt.

Nicht nur die etymologische Herkunft des Ortsnamens wird unterschiedlich hergeleitet. Auch seine Schreibweise wird immer wieder diskutiert, so auch in den 1980er Jahren als der Consell de Govern (Regierungsrat) de les Illes Balears die Orthografie der Ortsnamen im Butlletí Oficial (Offiziellen Bulletin) de la Comunitat Autònoma de les Illes Balears regelte.

Auf der Grundlage der geschichtlichen Thesen wird einerseits die Meinung vertreten, dass der Ortsname auf den Ritter Cervera oder die Familie Cervera zurückgehe, was auch den mallorquinischen Zusatz „Son (Besitz von)“ erkläre. Während einige Anhänger dieser Auffassung sich für eine zukünftige Schreibweise „Son Cervera“ stark machen, wollen andere Vertreter dieser Ansicht an der seit Jahrhunderten gebräuchlichen Schreibart „Son Servera“ festhalten. Wegen des Speierlings, der servera auf Katalanisch heißt und der in großer Zahl im Umfeld von Son Servera wächst, wird andererseits der Standpunkt vertreten, dass der Ortsname auf diesen Baum zurückzuführen ist.

Mit dem Decret (Dekret) 36/1988 ordnete der Consell de Govern de les Illes Balears am 14. April 1988 für die Verwendung im Butlletí Oficial de la Comunitat Autònoma de les Illes Balears zwar zunächst die Schreibart „Son Cervera“ an. Auf die am 28. April 1988 vorgelegte Gegenvorstellung des Francisco Barrachina i Llaneras, des Bürgermeisters von Son Servera (1983 bis 1991), bestimmte der Consell de Govern de les Illes Balears jedoch am 26. Mai 1988 mit dem Decret 50/1988 die Schreibweise „Son Servera“.

Bis heute tragen die meisten aus Son Servera stammenden Familien den historischen Nachnamen „Servera“, dem die traditionellen Nachnamen „Vives“, „Maçanet (Massanet)“, „Nebot“, „Bauçà (Bauzà)“ und „Sanxo (Sancho)“ folgen. Unabhängig von der Herkunft sind die Nachnamen „Garcia“, „Sánchez“, „Servera“, „Rodríguez“ und „González“ die gebräuchlichsten Nachnamen in Son Servera.

Die Urkunde von 1580, die über eine Messfeier berichtet, könnte auf ein kleines Dorf im Umfeld des torre dels Servera hinweisen. Auf den possessió de Ca s’Hereu scheinen 1596 bereits einige Häuser gestanden zu haben.

Die església parroquial (Pfarrkirche) de Sant Joan Baptista geht auf 1622 zurück.

Die Brüder Salvador und Sebastià Servera, die Eigentümer des possessió de Son Fra Garí, waren in der Mitte des 17. Jahrhunderts so hoch verschuldet, dass sie ihre Verbindlichkeiten nicht mehr bezahlen konnten. Die Reial Audiència (Königliche Audienz) de Mallorca leitete daher 1666 den öffentlichen Verkauf der Landflächen ein, bei dem die Verwaltung von Artà die Umgebung des torre dels Servera zur Gründung einer Ansiedlung ersteigerte. An der Grenze zwischen den possessions de Son Fra Garí und de Ca s’Hereu, die entlang der heutigen carrer (Straße) del Doctor Servera verlief, parzellierte die Verwaltung von Artà insgesamt einundsiebzig Grundstücke, von denen etwa fünfzehn bereits mit Häusern bebaut waren.

1750 lebten etwa 1.000 Menschen in Son Servera.

Der Gelehrte Jeroni Boix de Berard i de Solà (*1742 bis 1795) zählte 1789 insgesamt zweihundertfünfundfünfzig Häuser in Son Servera. Er erfasste die Gebäude in einem Stadtplan, der etwa zwölf Straßen ausweist.

Mit der Constitución Política (Politischen Verfassung) de la Monarquía Española, die die spanischen Cortes (Höfe) am 19. März 1810 verabschiedeten, ordnete das (Erste) Königreich Spanien die Selbstverwaltung von Städten mit mehr als 1.000 Einwohnern an. Nachdem die Volkszählung von 1813 etwa 1.700 Einwohner ermittelt hatte, nämlich etwa 1.200 in der Stadt und etwa 420 auf dem Land, wurde Son Servera zwar zunächst am 18. Januar 1814 von Artà unabhängig, doch musste es sich bereits am 18. August 1814 wieder seiner Verwaltung unterstellen. Auch auf Grund der pesta (Pest) de Llevant, die 1820/21 besonders schwer in Son Servera wütete, erhielt die Gemeinde ihre Unabhängigkeit von Artà erst 1837 zurück.

Im Mai 1820 soll ein aus Nordafrika angereistes Schiff, das auch die Pest an Bord gehabt haben soll, in einen mallorquinischen Hafen eingelaufen sein. Ein von dem Schiff stammender Umhang soll in den Besitz eines Hirten gelangt sein, der mit dem verseuchten Umhang nach Son Servera gewandert sein soll. Nachdem die von dem Hirten eingetragene Krankheit in dem Ort ausgebrochen sein soll, soll sich die Pest schnell über den Inselosten ausgebreitet haben.

Diese Legende hat sich über die Grenzen von Son Servera hinaus bis heute nicht nur weit verbreitet. Sie wird vielmehr auch durch das in dem Ort errichtete monument (Monument) des Pastoret bis heute aufrechterhalten.

Nach der Historikerin Isabel Moll i Blanes (*1938) dürfte die pesta de Llevant tatsächlich über eine Schmuggelroute nach Mallorca gekommen sein, wahrscheinlich mit einem Schiff, das vor der Küste von Son Servera geankert und Schmuggelwaren aus Nordafrika transportiert hatte. Unter den Schmuggelwaren dürften sich nach Moll auch mit dem die Pest verursachenden Bakterium infizierte Wachsrollen befunden haben, die in Son Servera wahrscheinlich insbesondere von den Frauen und Kindern benutzt worden seien.

Nachdem die Pestilenz am 9. und 15. Mai 1820 in Son Servera aufgetreten war, stellten der in Son Servera und der in Artà lebende Arzt unterschiedliche Diagnosen. Während der serverí von einem Pestausbruch ausging, vermutete der artanenc einen anderen Krankheitshintergrund. Erst nachdem die Epidemie am 24. Mai 1820 auch Artà erreicht hatte, wurde der mallorquinische Kapitän-General Antonio María Peón y Heredia (1820/21) unterrichtet, der am 27. Mai 1820 nicht nur die beiden Orte, sondern die gesamte mallorquinische Ostküste zum Quarantänegebiet erklärte: Die Menschen in der Sperrzone durften ihre Dörfer nicht mehr verlassen. Die Menschen außerhalb des Sperrgebiets durften nicht mehr in die Quarantänezone einreisen. Der Schiffsverkehr und der Warenhandel wurden in der gesamten Region untersagt. Gleichwohl zog die Pest nach Sant Llorenç des Cardassar, wo Anfang Juni 1820 die ersten an der Krankheit leidendenden Menschen auftraten. Zwar stellte Moll fest, dass „ab dem 13. Juni 1820 … die Koordination der Ärzte vor Ort und der Verwaltung reibungslos“ funktionierte, doch trat die Seuche am 20. Juni 1820 auch in Capdepera auf. Nach Moll erkannte die Obrigkeit, „dass es vor allem wichtig war, die Infizierten von der gesunden Bevölkerung zu trennen“, sodass die Dörfer geräumt wurden, um ihre Bewohner in unterschiedlichen Gruppen zu isolieren.

Die serverins und serverines wurden in drei Lager aufgeteilt, die für die von der Pest infizierten, die von anderen Erkrankungen betroffenen und die gesunden Menschen eingerichtet worden waren. Der Ort der Lager ist heute zwar nicht mehr bekannt, sie sollen nach Moll aber „höher gelegen und gut belüftet“ gewesen sein.

Ab Oktober 1820 wurden alle möglichen Infektionsherde bekämpft, die nach den unterschiedlichen Theorien als mögliche Ursachen der Pest in Betracht kamen. Die Kleidung wurde verbrannt, die Haustiere, insbesondere Hunde und Katzen, wurden getötet und die Gebäude wurden durchlüftet. Die Friedhöfe wurden von den Dorfzentren an die Ortsränder verlegt. Nachdem die Epidemie am 31. Januar 1821 als überwunden erklärt worden war, kehrten am 1. Februar 1821 etwa 640 serverins und serverines nach Son Servera zurück; etwa 1.000 Einwohner waren an der Pest verstorben!

Son Servera gedenkt bis heute am 1. Februar anlässlich des Dia de Sant Ignasi d’Antioquia (bis 2. Jahrhundert) dem Sieg über die Pest.

Die Errichtung der església (Kirche) Nova wurde von 1905 bis 1929 vorangetrieben. Das Gotteshaus war im Baustil der Neugotik (1830 bis 1900) von dem Architekten Joan Rubió i Bellver (*1870 bis 1952) geplant worden, der zum Schülerkreis des Architekten Antoni Gaudí i Cornet (*1852 bis 1926) gehört hatte. Die Fertigstellung der Kirche wurde 1931 verworfen, nachdem die hohen Baukosten endgültig nicht mehr sichergestellt werden konnten.

Die (Zweite) Spanische Republik, die am 14. April 1931 von dem späteren spanischen Präsidenten Niceto Alcalá-Zamora Torres (1931 bis 1936) ausgerufen worden war, war zwar mit dem Ziel angetreten, die Gesellschaft zu modernisieren. Sie konnte die von ihr ausgegebenen Ziele aber nicht umsetzen, sodass die Konzept- und Hilflosigkeit der (Zweiten) Spanischen Republik in der Bevölkerung sowohl zu Unmut als auch zu Gewalt führten.

Am 17. Juli 1936 löste General Francisco Franco Bahamonde (*1892 bis 1975) den Spanischen Bürgerkrieg aus, indem er sich in Spanisch-Marokko mit den ihm unterstellten Truppen gegen die (Zweite) Spanische Republik erhob. Bereits am 18. Juli 1936 trug Franco den Staatsstreich nach Spanien, in dem die nationalen Franquisten und die demokratischen Republikaner einen blutigen Kampf um die Macht in den Städten und Regionen führten. Nachdem der republikanische Widerstand zusammengebrochen war, erklärte Franco am 1. April 1939 die siegreiche Beendigung des Spanischen Bürgerkriegs, auf den seine bis zum 20. November 1975 andauernde Diktatur folgte.

Nachdem Mallorca schon am 19. Juli 1936 von den Franquisten übernommen worden war, führten die Republikaner, die sich bis zum 9. Februar 1939 auf Menorca halten konnten, mehrfach Angriffe gegen die Insel, die ihren Höhepunkt in der desembarcament (Schlacht) de Mallorca hatten. Ohne eine Abstimmung mit Hauptmann Alberto Bayo Giroud (*1892 bis 1967), der am 2. August 1936 das Kommando über die auf Menorca stationierten Invasionstruppen der Republikaner übernommen hatte, setzte die Federación Anarquista Ibérica (Iberische Anarchistische Föderation) am Morgen des 16. August 1936 etwa 400 Milizionäre in der cala (Anse) Anguila ab, die zwischen dem heutigen Cala Mendia und dem heutigen Porto Cristo Novo gelegen ist. Mit den ihm unterstellten Streitkräften, die etwa 8.000 Soldaten umfassten, griff auch Bayo am Morgen des 16. August 1936 an der punta (Spitze) de n’Amer an, die sich zwischen sa Coma und Cala Millor ins Meer erstreckt. In Schauder erregenden Kämpfen, die mit Grausamkeit und ohne Erbarmen geführt wurden, standen sich die republikanischen Angreifer und die franquistischen Verteidiger auf dem Küstenstreifen von Porto Cristo über Son Carrió und Son Servera bis Cala Millor gegenüber. Obwohl die republikanischen Einheiten schwere Verluste erlitten, zogen sie sich mit etwa 3.000 Soldaten erst in der Nacht vom 3. auf den 4. September 1936 zurück, nachdem ihnen sowohl der republikanische Regierungspräsident und Kriegsminister Francisco Largo Caballero (1936 bis 1937) als auch der republikanische Marine- und Luftwaffenminister Indalecio Prieto Tuero (1936 bis 1937) die weitere Unterstützung versagt hatten.

Bereits am ersten Tag des Vormarsches auf Son Servera wurden die Republikaner unterhalb des puig de na Penyal gestoppt, der sich westlich der ehemaligen Bahnlinie von Manacor nach Artà bis zu einer Höhe von etwa 211 Meter erhebt. Die aus etwa 50 Soldaten bestehende Kampfgruppe der republikanischen Schwarzen Garde geriet in einen Hinterhalt der Franquisten, bei dem 4 Republikaner gefangen genommen wurden, darunter der 18-jährige Marinesoldat Domingo López aus Barcelona. Nachdem die 4 Gefangenen nach Son Servera verbracht worden waren, wurden sie dem Tod durch Erschießen überantwortet. Allein López überlebte das Erschießungskommando, da er in Ohnmacht gefallen und durch einen „Gnadenschuss“ nur am Hals und im Gesicht verletzt worden war; während der Nacht konnte er aus der Grabgrube entkommen und sich zu seiner Kampfeinheit in sa Coma durchschlagen. Während die etwa 900 Einwohner vor den Kämpfen aus Son Servera geflohen waren, richteten sich die Franquisten in Son Servera ein, um die Republikaner abzuwehren; ihr Hauptquartier nahmen sie im Kellergeschoss des heutigen Cafés s’Oratge am plaça de Sant Joan. Obwohl Son Servera nahezu täglich aus der Luft mit Bomben angegriffen sowie vom Land und vom Meer mit Granaten beschossen wurde, konnten die Republikaner nur die Son Servera umgebenden Hügel einnehmen. Den über das Dorf einbrechenden Feuersturm aus Bomben und Granaten beschrieb ein Augenzeuge bildlich: „Son Servera gleicht dem Krater eines ausgebrochenen Vulkans.“. Erst am 3. September 1936 gelang es den Franquisten, den etwa 183 Meter aufsteigenden puig de Son Corb, der östlich von Son Servera liegt, zumindest teilweise von den Republikanern zu befreien. Nachdem sich die republikanischen Truppen am 3. und 4. September 1936 auf ihre Schiffe zurückgezogen hatten, veranstalteten die Franquisten noch am 4. September 1936 auf dem plaça de Sant Joan eine Siegesparade. Später stilisierten sie Son Servera zum „unbesiegten Dorf“, das von der franquistischen Führungsschicht nicht nur gern besucht, sondern an der costa (Küste) des Pins auch gern als Sommerresidenz genutzt wurde.

Son Servera hatte am 1. Januar 2024 etwa 5.500 Einwohner.